Letten legen Grundstein für Werkstätten

NWZ 06.03.2010
JUBILÄUM · Behinderteneinrichtung feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen – 670 Beschäftigte
Von Rainer Dehmer
Anfangs diente eine Baracke als Unterkunft. Die dort tätigen Letten nahmen nach einigen Jahren auch behinderte Menschen bei sich auf.
OHMSTEDE – Aus einer kleinen Selbsthilfewerkstatt für lettische Flüchtlinge hat sich in Ohmstede ein mittelständisches Unternehmen entwickelt. Die Gemeinnützigen Werkstätten an der Rennplatzstraße sind mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro und 670 Beschäftigten die größte Einrichtung ihrer Art im Oldenburger Land. Die Behinderteneinrichtung feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Der Reigen der Jubiläumsveranstaltungen beginnt am Freitag, 19. März, mit einem Gottesdienst in der Ohmsteder Kirche für Beschäftigte, Angehörige und Mitglieder.
Mit der Gründung als Selbsthilfe-Verein legte Pastor Paulis Urdze, Betreuer der Letten in Niedersachsen, am 1. Oktober 1960 den Grundstein der Werkstätten. In einer kleinen Baracke am Rigaer Weg erledigten anfangs 17 Letten Schuster- und Metallarbeiten. Zwei Jahre später erfolgte der Umzug in eine neu gebaute Halle in der Straße.
Weil die heimatlosen Ausländer viel Hilfe beim Aufbau ihrer Werkstatt erhalten hatten, wollten sie nun selbst Gebende sein. „Wir werden die geistig behinderten Jugendlichen bei uns aufnehmen“ erklärt Pastor Urdze 1962.
Im Laufe der nächsten Jahre arbeiteten immer mehr behinderte Menschen in der Werkstatt. Da viele lettischen Mitarbeiter in den 70er Jahren das Rentenalter erreicht hatten, entschieden sich die Verantwortlichen, den Schwerpunkt auf den Behindertenbereich zu legen. 1975 durfte sich der damalige Vorsitzende, Oberkirchenrat Heinrich Höpken, über die Anerkennung als Werkstatt für Behinderte freuen. Damals zählte der Verein bereits 100 Beschäftigte mit Behinderung. Sie stellten Kabel und Spulen für Radios und Fernseher her.
Weil der Platz bald nicht mehr ausreichte, um alle Mitarbeiter zu beschäftigen, bauten die Werkstätten an der Rennplatzstraße ein neues Gebäude. In den folgenden Jahren bestimmte Volker Hillmann als Geschäftsführer die Geschicke der rasch wachsenden Einrichtung. Er setzte auf Maschinenarbeit und machte die Werkstätten zu einem „Partner der Industrie“. Anfang der 80er Jahre wurde mit der Montage von Kabelträgern begonnen.
Das Spektrum der Arbeiten reicht heute von einfachen Montagearbeiten bis hin zu hoch qualifizierten Facharbeiten. Zudem werden Dienstleistungen (u.a. Wäscherei und Gartenpflege) angeboten. Die Werkstätten unterhalten auch Wohnheime und demnächst eine Tagesstätte für behinderte Senioren. „Zum 1. April eröffnen wir“, freut sich Gerhard Wessels, der seit 2005 die Geschäfte führt.
Jubiläumsjahr
- 21. März: Eröffnungsgottesdienst zum Jubiläumsjahr in der Ohmsteder Kirche
- 14. März: Fachtagung zum Thema „Was heißt hier eigentlich Inklusion?“
- 18. Juni: Empfang der gewerblichen Auftragskunden der Werkstätten
- 12. September: „Tag des Alltags“ mit fachlichen Führungen und Workshops in den verschiedenen Einrichtungen der Werkstätten (u.a. Rennplatzstraße, Rigaer Weg und Alexanderstraße)
- 1. Oktober: Abschlussfest in Kulturetage
Bildunterschriften im Original:
- Rigaer Weg: In der Maschinenhalle arbeiteten Mitte der 60er Jahre auch schon behinderte Menschen. (Bild: Gemeinnützige Werkstätten)
- Rennplatzstraße: 1978 wurde der Grundstein für das heutige Hauptgebäude gelegt. (Bild: Gemeinnützige Werkstätten)